Red-Flag-Award 2025
Das waren die Preisträger der zweiten Ausgabe.
Am 20. Januar 2026 wurde der Red-Flag-Award® 2025 in einer Live-Sendung verliehen. Aus zahlreichen Nominierungen aus der Community hatte die unabhängige Fachjury zunächst eine Shortlist erstellt und daraus die drei „Preisträger“ gekürt. Denn eines ist klar: Diesen Preis möchte niemand gewinnen.
Jury 2025
Bianca Boss, Sandra Klug, Prof. Dr. Hartmut Walz
Verleihung
20. Januar 2026, live im Stream
Die Preisträger 2025
Die Top 3 auf einen Blick. Die vollständigen Begründungen der Jury folgen darunter.
„Es ist unvorstellbar, wie viel Mist es tatsächlich gibt.“
So brachte es die Jury in der Sendung auf den Punkt. Die Auswahl der Top 3 sei entsprechend schwergefallen, am liebsten hätte die Jury dreimal den ersten Platz vergeben.
1
Platz 1
Kettner Edelmetalle
Angstmarketing, extreme Aufgelder bei Kleinstgebinden, emotionalisierender Verkaufsdruck.
2
Platz 2
Invest for Women
Provisionsprodukt als „kostenfreie Beratung“, fehlerhafte Rechenbeispiele, verdeckter Produktcharakter.
3
Platz 3
Invest4Kids
Rentenversicherung im ETF-Gewand, irreführende Steuerargumente, Pseudo-Verbraucherschutz.
1
Jury-Urteil Platz 1
Kettner Edelmetalle
Laudatio
Prof. Dr. Hartmut Walz
Verhaltensökonom und Finanzautor
Der Red-Flag-Award® 2025 ging an Kettner Edelmetalle. Vorab stellte die Jury klar: Gegen physisches Gold als Anlageklasse und gegen seriöse Goldhändler ist nichts einzuwenden. Die Kritik richtete sich gegen das Geschäftsmodell und die Kommunikation dieses Anbieters.
Angstmarketing mit Untergangsszenarien
Weltwährungscrash, Enteignung, „der größte Raubzug der Geschichte“, der digitale Euro als Schreckgespenst: Nach Einschätzung der Jury wird systematisch Angst erzeugt, um anschließend die „Rettung“ zu verkaufen, Krisenpakete und Krisenschutzboxen mit Edelmetallen. Ein Geschäftsmodell, das darauf aufbaut, Vertrauen in unser Geldsystem zu zerstören, bewertete die Jury als gesellschaftlich bedenklich.
Extreme Aufgelder bei Kleinstgebinden
Kettner bewirbt offensiv Mikro-Goldbarren und Kleinstmünzen. Beispielrechnung der Jury: Bei 1/20-Unzen-Barren (1,56 g) lag der Preis rund 30 % über dem reinen Goldwert einer Feinunze. Bei einer 0,5-Gramm-„Schutzengel“-Münze betrug das Aufgeld selbst im „Stundenangebot“ rund 55 %, zum Normalpreis sogar über 180 %. Und beim kleinsten Produkt mit gerade einmal 0,15 Gramm, von der Jury liebevoll „Goldstaub“ und „Homöopathie“ genannt, bräuchte man 200 Stück, um eine einzige Unze zu ersetzen.
Fragwürdige Rabattaktionen
Stündlich wechselnde „Produkte der Stunde“ mit Preisnachlässen von fast 50 %. Bei echtem Anlagegold mit fairem Aufgeld wäre das schlicht nicht möglich.
Zweifelhaftes Umfeld
In der Werbung und den Formaten des Anbieters tauchen nach Beobachtung der Jury und der Community immer wieder fragwürdige Figuren auf. Seriöse Wissenschaftler sucht man dort vergebens.
Fazit der Jury
Angst als Verkaufsstrategie, massive versteckte Kosten durch extreme Aufgelder bei Kleinstgebinden und emotionalisierender Verkaufsdruck: Dafür gab es verdient den ersten Platz des Red-Flag-Award® 2025.
2
Jury-Urteil Platz 2
Invest for Women
Laudatio
Sandra Klug
Verbraucherzentrale Hamburg e. V.
Der zweite Platz ging an Invest for Women und blieb damit „in der Familie“: Hinter Invest for Women und Invest4Kids (Platz 3) stehen nach Recherche der Jury verbundene Personen mit demselben Produktgeber. Invest for Women richtet sich gezielt an Frauen, mit pastelligen Farben, sympathischem Auftritt und rund 150.000 Followern vor allem auf Instagram. Versprochen werden finanzielle Unabhängigkeit, Finanzbildung und „kostenfreie Beratung“. Die Jury kritisierte:
„Kostenfreie Beratung“ im Provisionsmodell
Auch hier zeigt der Blick ins Impressum: Es handelt sich um Versicherungsmaklerinnen (inzwischen mit zusätzlicher Zulassung als Finanzanlagenvermittlerinnen). Die Vergütung fließt über Provisionen, bezahlt letztlich durch das Produkt.
Fehlerhafte Rechenbeispiele
In einem viel beachteten Vergleich mit einem ETF-Sparplan bei einem Neo-Broker wurden nach Nachrechnung der Jury zentrale Punkte falsch dargestellt: Die Teilfreistellung bei Aktien-ETFs (30 %) wurde komplett ignoriert und für das eigene Produkt pauschal „nur 10 % Steuern“ behauptet, ein Wert, den die Jury rechnerisch nicht nachvollziehen konnte. Nach der Vergleichsrechnung der Jury schneidet der direkte ETF-Sparplan am Ende deutlich besser ab als die Versicherungslösung.
Irreführende Produktvergleiche
Behauptet wurde unter anderem der Zugriff auf über 10.000 ETFs (mehr als in Deutschland überhaupt zum Vertrieb zugelassen sind) sowie die Aussage, ETFs seien „teurer“ als die eigene Lösung, eine Rentenversicherung.
Verdeckter Produktcharakter
Dass hinter dem beworbenen „Investment“ eine fondsgebundene Rentenversicherung steht, wird in der Kommunikation nach Einschätzung der Jury nicht transparent gemacht.
Fazit der Jury
Cleveres, zielgruppengenaues Marketing baut Vertrauen auf. Inhaltlich werden Frauen aber mit scheinbar eindeutigen Zahlenstorys zu einem provisionsgetriebenen Versicherungsprodukt geführt, dessen Kosten und Konstruktion nicht in gleicher Klarheit erläutert werden.
3
Jury-Urteil Platz 3
Invest4Kids
Laudatio
Bianca Boss
Bund der Versicherten e. V.
Die Bronzemedaille ging an Invest4Kids, einen Anbieter, der mit der finanziellen Absicherung von Kindern wirbt. Auf den ersten Blick wirkt das Angebot sympathisch: „Wir helfen dir dabei, das richtige Investment für dein Kind zu finden.“ Bei genauerem Hinsehen kritisierte die Jury jedoch:
Versicherung im ETF-Gewand
Beworben wird eine vermeintlich moderne ETF-Strategie. Nach Einschätzung der Jury handelt es sich tatsächlich um eine fondsgebundene Rentenversicherung (Alte Leipziger), ein Produkt, das die Verbraucherschützer wegen hoher Kosten und geringer Flexibilität für die private Altersvorsorge nicht empfehlen.
Irreführende Steuerargumente
Mit dem „Halbeinkünfteverfahren“ und vermeintlichen Steuervorteilen wird geworben. Die dargestellten Vorteile hielten der Prüfung durch die Jury nicht stand.
„Kostenlose Beratung“, die keine ist
Hinter Invest4Kids steht ein Versicherungsmakler, der über Provisionen aus den vermittelten Produkten bezahlt wird. Die Kosten tragen am Ende die Kundinnen und Kunden, über das Produkt.
Werbung mit Pseudo-Verbraucherschutz
Auf der Website wird mit einer „Empfehlung“ von „Verbraucherschutz TV“ geworben, einem Portal, das nach Auffassung der Jury mit echtem Verbraucherschutz nichts zu tun hat.
Bemerkenswert: Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ging 2025 im Rahmen einer Unterlassungsklage gegen die Werbung des Anbieters mit unzutreffenden bzw. missverständlichen Angaben vor.
Fazit der Jury
Ein Versicherungsmakler, der unter dem Deckmantel von ETF-Strategien teure Rentenversicherungen verkauft, mit „kostenloser Beratung“ wirbt und sein Geschäftsmodell auf der Sorge von Eltern um ihre Kinder aufbaut.
Wie es weitergeht
Nach dem Red-Flag-Award ist vor dem Red-Flag-Award: Auch in diesem Jahr wird der Anti-Preis wieder verliehen. Die Liste möglicher Kandidaten wächst bereits, und Sie können mithelfen. Wem gehört Ihres Erachtens der nächste Red-Flag-Award® verliehen?
Oder per E-Mail an orga@red-flag-award.de, mit kurzer Begründung und einem Weblink, damit die Jury sich den Fall ansehen kann.
Hinweis zur Bewertung
Die Inhalte auf dieser Seite geben die Begründungen und Bewertungen der unabhängigen Jury im Rahmen des Red-Flag-Award® wieder. Sie stellen Meinungsäußerungen der Jurymitglieder auf Grundlage öffentlich zugänglicher Werbeinhalte, Aussagen und Darstellungen dar. Der Red-Flag-Award® versteht sich als Beitrag zur Verbraucheraufklärung und Medienkritik im Finanzbereich.
